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Slowakei baut sich einen Staatsreaktor in Jaslovské Bohunice und sieht kein Wasserproblem

23.10.2026

Die hitzebedingte Abschaltung europäischer Kernkraftwerke an der Donau und an anderen Flüssen im August und September 2026 zeigte überdeutlich auf, dass Atomkraftnutzung viel Wasser für die Kühlung benötigt. Kernkraft hat gezeigt, sie ist nicht klimafit und stürzte die Stromversorgung einiger Länder in massive Schwierigkeiten. 

Doch anders in der Slowakei, denn da nutzte die slowakische Regierung den 17. August zur Präsentation ihres Atomprogramms: Bei einer Pressekonferenz direkt in Jaslovské Bohunice, die auch live gestreamt wurde, erklärte der Premierminister Fico selbst der Öffentlichkeit, dass die Wasser- und somit Stromversorgung für die Slowakei gesichert sei: “Ich habe 2008 die Fertigstellung der Reaktoren Mochovce 3 und 4 entschieden, das ist meine Entscheidung gewesen,” betonte er. Ausreichend Wasser gäbe es für die laufenden und den neuen Reaktor.  

Anlass für die Pressekonferenz war Ficos Lokalaugenschein in Jaslovské Bohunice, dem Standort zweier laufender Reaktoren, zweier stillgelegter und eines verunfallten.
Bei seiner Pressekonferenz quasi im Schatten der Kühltürme betonte er auch, dass die Atomkraftwerke in der Slowakei keine Wasserknappheit zu befürchten hätten. Im Gegensatz zum ungarischen Paks, welches abgeschaltet werden musste, da die Donau zu wenig Wasser führt, kann dieser Zustand in der Slowakei nicht eintreten, da die AKW eine wesentlich effizientere Kühlung haben. Er nannte den Wasserbedarf von Paks mit 100 m3/s aufgrund der Durchflusskühlung, während die slowakischen Kernkraftwerke mit 2 m3/s auskommen, da das Flusswasser nicht einfach wieder eingeleitet, sondern über die Kühltürme kondensiert wird.
Dafür kondensiert einfach mehr Wasser und kehrt nicht mehr in den Fluss zurück. Faktum bleibt natürlich, dass die tschechischen und slowakischen Kernkraftwerke durch die Staudämme bzw. Kaskaden der Flüsse, an denen die Kernkraftwerke errichtet wurden – etwa Temelin an der Moldau und Mochovce am Hron – nicht so massiv und so schnell wie etwa die Kernkraftwerke an der Donau mit direkter Kühlung (Paks, Kozloduj, Cernavoda) von einer Abschaltung bedroht sind.

Der neue Reaktor wird seit Jahrzehnten diskutiert, doch im Sommer wollte Premierminster Fico Fortschritte sehen. Es ging darum, dass es seiner Wirtschaftsministerin nicht gelungen war, die 51% Anteile an tschecho-slowakischen Joint Venture JESS von ČEZ zu kaufen. Denn der tschechische Betreiber hatte 49% an der künftigen Errichutngsgesellschaft und stimmte dem Angebot der slowakischen Seite nicht zu. Mittlerweile ist der Streit beigelegt und der Weg für den 1200-MW-Reaktor frei.

Hierbei handelt es sich natürlich um reinste Zahlentricks:
Beide Zahlen sind an sich richtig, 100 m3/s werden aus der Donau in die AKW geleitet, aber nur 1-2% weniger auch wieder eingeleitet. D.h. es sind etwa jene 1,5 – 2 m3/s an Wasser, die bei der Kühlturmkühlung verdunsten. Der Unterschied liegt vor allem in der Verfügbarkeit, die bei Kernkraftwerken mit Staudämmen besser, aber nicht endlos ist. 

Interessant ist natürlich der Nettoverbrauch bzw. die Wasserentnahme pro erzeugter Kilowattstunde (kWh). Die nachfolgende Tabelle zeigt die Zahlen vom Joint Research Centre (JRC), genau jenem Forschungsinstitut der Europäischen Kommission, welches die Nuklearenergie als nachhaltig und unter der Taxonomie als förderwürdig bezeichnet hat. Die zentrale Aussage der Tabelle ist folgende: 2015 gingen 60 % des entnommenen Kühlwassers auf das Konto von Kernkraftwerken. Der Atomstromanteil 2015 lag in der EU nur bei 26 %, d.h. der Wasserbedarf für Atomstrom ist enorm.  

 







Bildquelle: https://sk.wikipedia.org/wiki/At%C3%B3mov%C3%A9_elektr%C3%A1rne_Bohunice

Der Artikel wurde verfasst von Patricia LORENZ und bearbeitet von Renate Brandner-Weiß.



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