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Massiv verändertes tschechisches Atommüllkonzept soll ohne Umweltprüfung durchgehen

16.6.2026

Während die betroffenen Gemeinden, etwa am Standort Hrádek bereits die ersten Briefe erhalten, in denen die damit betraute Firma die Durchführung der geophysikalischen Untersuchungen ankündigt und wieder ihre Genehmigungen verweigert, wird das Atommüllprogramm in Prag durchgepeitscht. Umweltministerium, Ministerium für Industrie und Handel sowie die zuständige Behörde SÚRAO wollen massive Änderungen im Konzept einfach beschließen.  

Atommüllkonzept Ja, Umweltprüfung Nein

Auch für die österreichischen Antiatomorganisationen, die sich für eine SUP in einem Brief ans Prager Umweltministerium eingesetzt haben, eine schwere Enttäuschung und auch Überraschung, denn bisher wurde zumindest am Papier korrekt vorgegangen: Es wird keine Strategische Umweltprüfung des Aktualisierten Tschechischen Atommüllkonzepts geben.

Zur Aktualisierung des Konzepts von 2019, welches nun einen Ausblick für die kommenden Jahre (bis 2050) enthält, hat das Umweltministerium im Frühjahr ein Scoping durchgeführt. Damit sollte festgestellt werden, ob eine weitere vollständige SUP (Strategische Umweltprüfung) – unter Einbindung der Öffentlichkeit im In- und Ausland – nötig ist. Die Behörde “hat sich nun mit sich selbst geeinigt” und sieht keine Notwendigkeit für eine SUP, da “nur einige wesentliche Änderungen vorgenommen wurden”. Im Zweifel sollte doch für mehr Beteiligung und Transparenz entschieden werden: Die RL 2011/70 der EU zum Atommüllmanagement besagt in Artikel 10, dass Beteiligung und Transparenz effektiv sicherzustellen sind. Dem ist in dem Fall gar nicht so.

Als wesentliche Punkte sind zu nennen:

Alternativenprüfung

Immer wieder gefordert wird die Ausarbeitung und Prüfung alternativer Konzepte zum Geologischen Tiefenlager, doch diese Forderung wurde abgeschmettert, da dies nicht die Aufgabe wäre, die aus der EU-Richtlinie 2011/70 hervorginge.

Menge

Die Forderung, dass auf die zusätzliche Atommüllmenge aus der Lebensdauerverlängerung von Dukovany 1-4, Errichtung von je 2x1000 MW am Standort Dukovany und Temelín im Konzept einzugehen sei zusätzlich zu den 6 SMR, wird vom Ministerium (MZP) zurückgewiesen.
Laut MZP sei diese keine strategisch-konzeptuelle Frage, sondern erst ein Thema für die UVP, die sich mit dem konkreten Projekt und dessen Folgen befassen wird.

Hier gut erkennbar das “alte Spiel”: Ihr Einwand ist berechtigt, aber nicht an dieser Stelle, sondern ist zu spät oder zu früh. Denn natürlich werden konzeptuelle Einwände bei der künftigen UVP mit der Aufzählung diverser Konzepte und der SUP begründet werden und somit wieder nicht zu behandeln sein.

Die andere Variante bei der Beantwortung der Einwände der BürgerInnen ist neben dem Verweis auf andere Verfahren zu anderen Zeitpunkten der Verweis auf andere Verfahren ohne Beteiligung. So wird die Forderung nach einer Bewertung der Umweltfolgen davon, dass die geologischen Arbeiten nun so verändert wurden um deutlich schneller Resultate zu liefern, damit abgeschmettert, dass dies in Genehmigungsverfahren nach Bergbaugesetz fallen würde; ohne Beteiligung und ohne Transparenz weil dort nicht vorgesehen...

Man könnte natürlich sagen, dass wenn einmal ein Endlager errichtet wurde, dann ist auch schon wurscht, wieviel da reinkommt, da die Fixkosten den großen Brocken darstellen. Dem ist aber nicht so, denn schon jetzt, vor der Verdopplung der Atommüllmenge für das Endlager, ist es schwierig einen ausreichend großen, zusammenhängenden Felsblock für das Lager auf 500 m unter dem Erdboden zu finden. D.h. ein zweiter Standort könnte benötigt warden!

Finanzierung

Ein zweites Endlager mit zusätzlichen Fixkosten wäre neben den Sicherheitsfragen natürlich eine wesentliche Änderung zum Thema Finanzierung. Und das jetzt, denn nur dann kann man die benötigte Abgabe für jede erzeugte MWh auf die ohnehin bereits hohen Erzeugungskosten aufschlagen. Und wieder falscher Ort: Das Ministerium argumentiert, dass die Kosten nicht hier, sondern über den regulatorischen Rahmen und internationale Vorgaben so festgelegt würden, dass am Ende nicht die SteuerzahlerInnen zur Kasse gebeten würden.

Das ist schwer zu glauben, wurden doch die Abgaben von CEZ in den Fonds weniger als gefordert erhöht und liegen nun bei 88 CZK/MWh.

Diese umgerechnet 3,60 Euro sind weit entfernt von den vermutlich benötigten bis zu 20 Euro/MWh (errechnet für ein kleines Land mit einem kleinen AKW-Programm und somit hohen Fixkosten von einer Atommüllbehörde in der EU, aber natürlich nicht publiziert.

Sie kann aber sicherlich zur Orientierung dienen. In Schweden, einem Land mit 11 Leistungsreaktoren, erhält die private Firma für das Atommüllmanagement samt Errichtung eines Endlagers aktuell 7,3 Euro/MWh (laut SKB-Webseiten).

2050 ja nein vielleicht lieber doch nicht

Zurück zum tschechischen Atommüllkonzept:
Weiters enthält das aktualisierte Konzept die Vorverschiebung des Betriebsbeginns des Endlager auf 2050 vom zunächst geplanten Jahr 2065. Diese rasante Vorverlegung wurde 2020 beschlossen und ist bereits in Umsetzung. Das sind ganze 15 Jahre weniger mit einigen Konsequenzen für die Untersuchungen, wie etwa Tiefenbohrungen und Prüfung der geologischen Bedingungen an den Standorten. Der Grund dafür sind einzig und allein die 2022 eingeführten Taxonomiekriterien.

Interessant ist, dass im Konzept selbst und vom Industrie- und Handelsminister Havlíček am 11. Juni auch bestätigt wurde, dass sich die tschechische Regierung für eine Rücknahme dieses EU-Taxonomiekriteriums für Atomenergie einsetzt.

Im nächsten Schritt wird das Konzept bei der Regierungssitzung beschlossen werden und Gültigkeit erlangen. Die Frage, ob dieses Atommmüllkonzept die Vorgaben der EU-Richtlinie 2011/70 (EURATOM) erfüllt, darf bezweifelt werden.


Bildquelle: https://ners2025.jmm.cz/en/

Der Artikel wurde verfasst von Patricia LORENZ und bearbeitet von Renate Brandner-Weiß.



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