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Einen Tag vor dem 15. Jahrestag des Unglücks in Fukushima lädt der französische Präsident zur Konferenz (oder vielleicht eher eine Art Séance), bei der alle gemeinsam das Mantra der Atomrenaissance beschwören, dass sie doch kommen möge.
Bei diesem 2. EU-Atomgipfel verkündete EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, dass „es für Europa ein strategischer Fehler war, einer zuverlässigen, bezahlbaren Quelle für emissionsarmen Strom den Rücken zu kehren“. Damit meinte sie wohl vor allem den deutschen Ausstieg, sonst ist ja in Europa eigentlich nichts geschehen. Die belgischen Reaktoren waren wegen unerklärbarer Risse in den Reaktordruckbehältern und Altersschwäche vom Netz genommen worden, der Betrieb der letzten beiden soll nun doch noch verlängert werden. Das impliziert, dass es eine Art Bauverbot gegeben hätte, doch das stimmt nicht. Die auslaufende „Nuklearrenaissance“ der Nullerjahre konnte ihre Flagship-Reaktoren mit hoher Leistung von 1700 MW – den EPR – erst nach fast 20 Jahren in Flamanville und Olkiluoto in Bau nehmen. Die Fertigstellung der Reaktoren 3 und 4 in Mochovce dauert noch an und das seit 1986(!).
Und die Strategie oder eher Unzulänglichkeit der Atombauer? Die Versuche der tschechischen Regierung in Dukovany und Temelin weitere Reaktoren zu errichten, scheiterte schon in der Ausschreibungsphase.
Und, voilá, weiter geht es mit der nuklearen Mär, denn von der Leyen kündigte eine Strategie für kleine, modulare Reaktoren an, die „Wunderwuzzi-Reaktoren“ SMR. „Unser Ziel ist einfach: Wir wollen, dass diese neue Technologie in Europa bis Anfang der 2030er Jahre einsatzbereit ist“, sagte von der Leyen. Wer sich noch erinnert: Das Ziel gab es auch schon 2020.
Wirklich wichtig ist vielleicht nur ihre Ankündigung, wonach „die Vorschriften grenzübergreifend angeglichen werden“ sollen. Dahinter verbirgt sich, dass in Europa jede Nuklearaufsichtsbehörde ihre eigenen Vorschriften hat, auch für die Lizenzierung von neuen Reaktoren. Das ist natürlich schwierig für die Small Modular Reactors, die ja modular gefertigt werden und „fixfertig“ am Standort aufgestellt werden sollen. Das geht nur bei einheitlichen Standards. Modular bedeutet auch, dass es erst einige fixe Bestellungen – für einen Reaktortyp – geben wird müssen, denn die Fabriken für die einzelnen Modulen müssen ja auch erst errichtet werden. Und hier wird es wieder schwierig, denn die Mitgliedsstaaten wollen ihre eigenen Reaktorbauer bevorzugen.
Dagegen arbeitet auch die ebenfalls am 10. März 2026 veröffentlichte SMR-Strategie der EU. Hier wieder ein geduldiges Papier:
https://energy.ec.europa.eu/news/commission-unveils-strategy-bring-europes-first-smrs-online-early-2030s-2026-03-10_en
Dan Jørgensen, Kommissar für Energie und Wohnungswesen, sagte:
„Kleine modulare Reaktoren sind eine sichere Nukleartechnologie, die dazu beitragen kann, zuverlässige, heimische dekarbonisierte Energie zu liefern, die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu stärken und unsere Energiesicherheit zu erhöhen.“
Das ist beachtlich, ist SMR doch eine Bezeichnung für einige Dutzend Reaktoren, deren Sicherheit somit unterschiedlich ist. Dass die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie der EU gestärkt wird, wenn die bei weitem teuerste Art der Stromgewinnung genutzt wird, ist natürlich falsch. Der SMR-Bau ist somit sicher keine Förderung der eigenen Industrie. Das am weitesten fortgeschrittene SMR-Projekt ist in der Tschechischen Republik: Für den Standort Temelín wird der SMR von Rolls-Royce aus Großbritannien UK geplant, für Tušimice der BWRX-300 aus Kanada.
Der Artikel wurde verfasst von Patricia LORENZ und bearbeitet von Renate Brandner-Weiß.
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